Das Wort Yoga taucht erstmals in den Veden, der ältesten Sammlung heiliger Schriften Indiens auf
(ca. 2500 v. Chr.). Es hat sich aus dem Sanskrit-Begriff yui (vereinen, verbinden) entwickelt und wird oft
mit „Einheit“ oder „Harmonie“ übersetzt.
Zwischen 200 v. Chr. und 200 nach Chr. verfasste Patanjali die Yogasutras. Es handelt sich um knapp
200 kurze Merksätze, die neben einer Untersuchung des menschlichen Geistes auch einen achtstufigen
Übungsweg mit konkreten Anweisungen zur
Meditation enthalten. Mit der Entwicklung des Tantrismus ab
dem 5. Jhdt. nach Chr. entstand der heute vorherrschende körperbezogene Übungsweg des Hatha-Yoga.
Das Wort Hatha bedeutet kraftvoll, intensiv. Im Mittelpunkt stehen Energiegewinnung und -lenkung durch
Körper-
(Asana) und Atemtechniken
(Pranayama) sowie die
Tiefenentspannung. Einer der Grundlagentexte
des Hatha-Yoga ist die Hatha Yoga Pradipika („Leuchte des Hatha Yoga“), die zwischen dem 14. und 16.
Jahrhundert von Svatmarama verfasst wurde.
Im Westen wurde Yoga erst Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt und durch indische Lehrer wie
Swami Vivekananda, Sri Aurobindo, Swami Vishnu Devananda, Pattabhi Jois und B.K.S Iyengar ver-
breitet. Seit Ende der 60er Jahre erfreut sich Yoga wachsender Popularität; in den späten 90ern hielten
Yogastellungen sogar in Werbung und Medien Einzug. Nach Schätzungen des Berufsverbandes der
Yogalehrenden in Deutschland praktizieren heute mindestens 3 Millionen Deutsche Yoga.
Asana
Das Wort Asana kommt aus dem Sanskrit und bedeutet Position, Haltung. Klassische Yogaschriften sprechen von bis zu 840 000 Asanas, moderne Lehrbücher enthalten mehrere hundert verschiedene Stellungen. Um eine Asana auszuführen, müssen wir den Körper zunächst in bestimmter Weise strecken, dehnen oder drehen. Befinden wir uns in der Stellung, beginnt ein Ruhezustand, der für längere Zeit gehalten wird. Jetzt beginnt die Asana zu wirken: Organe, Muskeln, Gelenke und Nerven werden gekräftigt, der Stoffwechsel angeregt, Lymphsystem und Hormonhaushalt ausgeglichen. Der Organismus gelangt in einen Zustand des gesunden Gleichgewichts.
Asanas lassen sich in mehrere Gruppen unterteilen: Man unterscheidet zum Beispiel Standhaltungen, Vorwärtsbeugen, Rückbeugen, Drehübungen, Umkehrhaltungen und Balanceübungen. Jede Gruppe ist mit eigenen Wirkungen verbunden (z.B. wirken Vorwärtsbeugen eher beruhigend, während Rückbeugen aktivieren). Asanas lassen sich deswegen auch therapeutisch einsetzen.
Pranayama
Das Wort Lebensenergie oder Vitalität existiert in den meisten Kulturen. Auf Chinesisch heißt es Chi, in Japan sagt man Ki, die alten Griechen sprechen von Pneuma, und im alten Testament steht: „Er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase“ (1. Mose 1, 2). In Indien wird das Sanskrit-Wort „Prana“ verwendet: Lebensenergie, die sich in Luft, Wasser, Sonne, Nahrung und allen Lebewesen manifestiert. Das Wort „ayama“ bedeutet Länge oder Ausdehnung. Im Pranayama geht es also darum, die Lebensenergie zu vergrößern, möglichst viel davon aufzunehmen. Im Yoga ist unser Werkzeug dafür der Atem. Prana und Atem sind allerdings nicht identisch. Der Atem ist lediglich ein Transportmittel für Prana. Bei normaler Atmung nehmen wir nur sehr wenig Prana auf. Pranayama-Techniken fördern bewusstes, achtsames und kontrolliertes Atmen und führen so zu einem spürbaren Energiegewinn und emotionaler Ausgeglichenheit.
Tiefenentspannung
Jede Yogastunde endet mit einer ca. 15-minütigen angeleiteten Tiefenentspannung. Dabei wird das parasympathische Nervensystem aktiviert, das für eine Regeneration des Organismus zuständig ist.
Indem wir Aufmerksamkeit und Atem systematisch in alle Körperteile lenken, entspannen sich die Muskeln, Atem-, Herzfrequenz und Blutdruck sinken und die Durchblutung der Organe verbessert sich. Ergebnis sind körperliche und geistige Frische sowie ein Zustand innerer Ruhe und Gelassenheit.
Meditation
Als Meditation bezeichnet man sowohl einen Zustand geistiger und körperlicher Ruhe, Klarheit und Achtsamkeit, als auch den Prozess, der dazu führt. Es gibt unterschiedliche Meditationstechniken. Allen gemeinsam ist, dass sie die Konzentration auf ein Meditationsobjekt richten, um den unkontrollierten Strom von Eindrücken und Gedanken zu unterbrechen. Wir benutzen beispielsweise den Atem um die Aufmerksamkeit nach Innen zu lenken.
Meditation führt zu körperlicher und geistiger Entspannung. Im Gehirn werden jene Areale aktiviert, die für Glücksempfinden zuständig sind. Ein Mensch, der regelmäßig meditiert, erlebt seinen Alltag achtsamer und zufriedener.